The Next Generation

The Next Generation

30. Oktober 2026·Stefan Weis·6 Min. Lesezeit

Da gibt’s die einen. Das Original. Die, die in den Urzeiten schon die Richtung vorgegeben haben. Ein bisserl legerer vielleicht, nicht ganz so ernst, ein paar Kilo zuviel für spätere Standards, aber mit unendlicher Eleganz und ewiger Leuchtkraft. Und dann die neue Generation. Modern, zeitgemäß, aber in der Tradition des Originals. Und in manchen Fällen wurden sie selbst zur Ikone. Die nächste Generation, die, die fremde Welten entdecken will, die vielleicht noch nie ein Kicker im Verein zuvor gesehen hat… FK Austria, gegründet 1911 und der junge Ableger, die Young Violets, als Zweiermannschaft seit den 1990ern auch im Cup unterwegs und nunmehr in der zweithöchsten Spielklasse – wäre eine Interpretation. Aber ganz ehrlich, an die violetten Wiener zu denken fällt schwer.

„What we leave behind is not as important as how we’ve lived.“

Ja, sorry, Sie merken’s eh. Wie soll man da noch von Fußball schreiben. Gerade noch voller Emotionen aus dem Tivoli raus. Eine Niederlage im Cup, selten egal. Der Dauersupport unabhängig vom Spielstand, ein Stadion, das auf dreieinhalb Tribünen aufsteht für den FC Wacker Innsbruck, Comebacks der Extraklasse, Spannung pur. Wen interessiert da noch das Ergebnis. Eine kleine Ablenkung davon, dass Pavel Chekov, also sein Darsteller, Walter König, eine Ikone der alten Enterprise, heimgegangen ist. Das Trekkie-Herz bekommt keine Zeit zu trauern – Patrick Stewart, als Jean-Luc Picard der moralische Wegweiser eines Sci-Fi-Franchise, folgt ihm wenige Tage später nach. „Was wir hinterlassen, ist nicht so wichtig wie die Art und Weise, wie wir gelebt haben.“, meinte er als Captain der NCC-1701-D. Und Stewart hinterließ nicht nur in seiner Rolle, sondern auch im Leben viele glänzende Spuren. Es ist eben nicht nur das Ergebnis, das zählt, sondern auch die Art, wie man versucht hat zu reüssieren. Oder eigentlich vor allem das. Dass die Bundesligisten Rapid im vergangenen Jahr gegen einen Regionalligisten, Wattens heuer gegen einen Zweitdivisionär stets ihr schlechtestes Spiel seit langem genau gegen Wacker haben (so zumindest die Post-Game-Interviews), ist schon ein merkwürdiger Zufall. Sicher, Innsbruck hat gerade erst gegen Salzburg daheim verloren, musste sich der Admira geschlagen geben. Und wird heuer noch einige Male den Kürzeren ziehen. „It is possible to commit no mistakes and still lose. That is not weakness. That is life.“, sagte Jean-Luc, „Es ist möglich, keine Fehler zu machen und trotzdem zu verlieren. Das ist keine Schwäche. Das ist das Leben.“ Denn was dazwischen drin bei Wacker zu sehen war, das gibt Hoffnung. Vor allem der unbändige Wille, der gerade in den beiden Cup-Partien zum Ausdruck kam. „Things are only impossible until they are not. – Dinge sind nur so lange unmöglich, bis sie es nicht mehr sind.“, sagte Picard. Und beschrieb damit auch, wie ein sportlicher Underdog den großen nicht nur ärgern, sondern an den Rand der Verzweiflung treiben kann.

„That is what it is to be human: To make yourself more than you are.“

Das macht es aus, Mensch zu sein: mehr aus sich zu machen als man urprünglich war – die Prämisse von Gene Roddenberry und seinem Star-Trek-Universe gilt universal. Auch für jeden Fußballer. Und von denen gab es bei den jungen Veilchen so einige, die ihr Talent, ihr Sein auf ganz andere Ebenen gehoben haben. Beim Sieg über Wacker im Oktober 2008 waren es etwa Lukas Mössner, Philipp Netzer und Marin Leovac, die für Violett getroffen haben, Alexander Schriebel hat vorbereitet, Christian Ramsebner und Aleksander Dragovic hinten sauber gehalten. Und zur Einwechslung kamen Marc Sand und Christoph Freitag. Da braucht man gar nicht von Rubin Okotie, Christoph Saurer, Michi Madl, Martin Harrer, Sascha Horvath, Alex Gorgon, Heinz Lindner, Tino Casali, Alexander Grünwald, Edin Salkic reden, die bei den Violets zu Kicken begannen, oder dass sich dann schon gestandene Profis wie Gspurnig, Hosiner, Mählich, Toth, Ortlechner, Schicker, Almer, Wimmer, Janeschitz bei den Jungveilchen fit hielten oder ihnen als erfahrene Haudegen Halt gaben. Von einem David Alaba gar nicht zu sprechen. Pures Namedropping. Aber die Violets ruhen sich nicht darauf aus, „The past is written, but the future is left for us to write. – Die Vergangenheit ist bereits geschrieben, aber es liegt an uns, die Zukunft zu schreiben.“, sagte Picard. Da wie dort geht es nicht um schnelle Erfolge, sondern um nachhaltige Wirkung. Da kann es dann schon passieren, dass man mal nach unten rutscht, sich durch die Regionalliga quält. Oder dass man plötzlich vom dritten Tabellenplatz lächelt, wie gerade jetzt. Und nein, es war nicht nur die Auslosung, die einen nach oben gespült hat. St. Pölten geschlagen, die Salzburger geputzt, das klitzekleine Wiener Derby gewonnen. Drittbestes Torverhältnis der Liga, am viertwenigsten Niederlagen, am drittmeisten Siege, fünf Tore mehr erzielt als Innsbruck – eine Herausforderung für Wacker.

„Fear is the greatest destroyer.“

Die Angst ist der größte Zerstörer, meinte Picard. Aber warum sollte man bei Schwarz-Grün auch Angst haben? Ja gut, in den letzten sechs Pflichtspielen gab es nur einen Sieg, zuletzt drei Niederlagen in Folge. Aber wer jetzt eine Krise herbeireden will, vom kaputten Erfolgslauf reden, der hat nicht hingehört und hingeschaut. Nicht auf die Zielsetzung, nicht auf die sportliche Leistung, nicht auf den Support. „Anyone who treats me like a dying man will run the risk of pissing me off. – Wer mich wie einen Sterbenden behandelt, läuft Gefahr, mir auf den Sack zu gehen.“, meinte Jean-Luc, denn „There is a way out of every box, a solution to every puzzle. It’s just a matter of finding it. – Aus jeder Zwickmühle gibt es einen Ausweg, für jedes Rätsel eine Lösung. Man muss sie nur finden.“ Dabei helfen könnte etwa Florian Kopp, Dauerläufer im Innsbrucker Dress. Und einst in Violett gekleidet, 29 Mal in Liga Zwa, dabei zweimal Kapitän für die Wiener, zweimal Torschütze. Er weiß: es geht um den Einsatz, den Willen. Immer vorwärts. „Engage!“, würde Picard sagen, „Los geht’s!“. Einfach spielen, der Erfolg kommt schon zurück. „Make it so.“

P.S.: Vielen Dank, Patrick Stewart, für die vielen wunderbaren Momente in deiner Rolle als Jean-Luc Picard. Es war eine große Freude.

„Someone once told me that time was a predator that stalked us all our lives. I rather believe that time is a companion who goes with us on the journey and reminds us to cherish every moment because it will never come again. What we leave behind is not as important as how we’ve lived. – Jemand hat mir einmal gesagt, die Zeit sei ein Raubtier, das uns unser ganzes Leben lang verfolgt. Ich glaube eher, dass die Zeit ein Begleiter ist, der uns auf unserer Reise begleitet und uns daran erinnert, jeden Augenblick zu schätzen, denn er wird nie wiederkehren. Was wir hinter uns lassen, ist nicht so wichtig, wie wir gelebt haben.“

Jean-Luc Picard in Generations / Treffen der Generationen, 1994.

Fotos: privat

Artikel Info

Autor: Stefan Weis
Veröffentlicht: 30. Oktober 2026
Kategorie: Allgemein
Lesezeit: 6 Minuten

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