Marsch, marsch – zum Tivoli
Bereits Stunden vor dem Anpfiff war zu spüren, dass dieser Tag ein besonderer werden würde. Während die Pride die Innsbrucker Innenstadt in bunte Farben tauchte, zog wenige Straßen weiter ein schwarz-grüner Fanmarsch vom Tiroler Landestheater Richtung Tivoli. Zahlreiche Blicke folgten den Wackerianern, erste Videos machten bereits am Samstagnachmittag in den Tiroler Medien die Runde. Es sind genau diese Bilder, die zeigen, welche Strahlkraft dieser Verein hat. Der FC Wacker Innsbruck ist zurück – nicht nur auf dem Spielfeld, sondern längst wieder mitten in den Herzen der Menschen.
Luft nach oben
Auf dem Rasen entwickelte sich anschließend das erwartete Spiel. Die Reichenau verteidigte tief, überließ Wacker den Ball und hoffte auf Fehler. Solche Partien sind selten spektakulär. Sie verlangen Geduld, Präzision und den richtigen Moment. Nach dem verwandelten Elfmeter von Adrian Lechl war die Richtung vorgegeben. Das 2:0 kurz vor der Pause durch Anderson Rodríguez sorgte für die Vorentscheidung, Matt Evans setzte mit seinem Premierentreffer den Schlusspunkt.
Trotz des klaren Ergebnisses blieb das Gefühl, dass an diesem Abend noch mehr möglich gewesen wäre. Der FC Wacker kontrollierte das Spiel über weite Strecken, ließ Ball und Gegner laufen, nahm aber vor allem nach dem Seitenwechsel etwas Tempo heraus. Der letzte Zug zum Tor fehlte phasenweise. Vielleicht sind wir nach den vergangenen Jahren auch ein wenig verwöhnt. Vielleicht ist genau das aber der Anspruch, den dieser Verein mittlerweile wieder an sich selbst stellt.

Doch halt, man muss schon realistisch bleiben! Der FC Wacker Innsbruck und sein Umfeld haben in den vergangenen Unterhausjahren offenbar das Verlieren verlernt. Dementsprechend scheint die Erwartungshaltung in lichte Höhen zu galoppieren. Während die sportlich Verantwortlichen beim FCW von „in der Liga ankommen“ und eine „gute Rolle spielen wollen“ sprechen, scheinen Fans und Journaille von anderen Dingen zu träumen. Nicht anders ist die „Enttäuschung“ über den 3:0-Sieg gegen die Reichenau zu verstehen. Gut, der ORF-Kommentator unseres Spiels hat zwar wieder einmal eindrucksvoll bewiesen, dass er über Wissensmängel verfügt (LAFC ≠ LA Galaxy!!!), doch war auch er recht enttäuscht vom Ergebnis.
Eigentlich komisch, denn das Spiel erinnerte sehr an das erste Aufeinandertreffen beider Teams in der letzten Saison. Auch der Spielverlauf war doch recht ähnlich – und auch die Aufstellung absolut vergleichbar. Aber so ändert sich die Erwartungshaltung. Während man bspw. beim ORF von einem souveränen 3:0 von Rapid gegen den RLO-Aufsteiger FC Wienerberger berichtet, reicht ein ungefährdeter 3:0-Sieg gegen eine gestandene und mit Ex-Profis gespickte RLW-Mannschaft für den FCW nicht. Mit dieser Haltung wird der FC Wacker Innsbruck in ein schwieriges Fahrwasser manövriert. Alle tun gut daran ihre Erwartungen für diese Saison etwas zurückzuschrauben.
Gesteigert hat sich nur die Nord
Zugegeben, in der 2. Halbzeit war das Geschehen auf dem Rasen überschaubar. Zu eindeutig hatten die Wackerianer den Gegner unter Kontrolle, der sich tapfer gegen eine höhere Niederlage stemmte. Während sich also auf dem Rasen nach der Pause nur noch wenig veränderte, drehte die legendäre Nordtribüne erst richtig auf. Die Gesänge wurden lauter, die Unterstützung noch leidenschaftlicher, die Atmosphäre elektrisierender. Fast schien es, als wollten die Fans ihre Mannschaft mit jeder Minute noch einmal nach vorn tragen. In diesen Momenten gewann die Tribüne das Duell gegen das Spielfeld – und sorgte für jene Gänsehautmomente, die man nicht in Statistiken festhalten kann. Eventuell mussten die nagelneuen Vorsängerplattformen in Halbzeit eins erst langsam eingesungen werden.

Auch abseits des Rasens war der Cupabend eine erste Bewährungsprobe für den Zweitliga-Alltag. Vereinzelt waren organisatorische Kinderkrankheiten zu erkennen – ärgerlich, aber nichts Ungewöhnliches, wenn ein Verein nach Jahren wieder auf einer höheren Ebene angekommen ist. Genauso wie sich die Mannschaft an das höhere Niveau gewöhnen wird müssen, wird auch der Verein organisatorisch weiter wachsen. Entscheidend ist, die richtigen Lehren daraus zu ziehen.
Am Ende bleibt das Wesentliche: Der FC Wacker Innsbruck steht verdient in der zweiten Runde des ÖFB-Cups. Es war vielleicht kein Fußballfest, aber ein professioneller Pflichtsieg. Und manchmal sind genau diese Abende das Fundament einer erfolgreichen Saison. Die Mannschaft erledigte ihre Pflicht. Die Nordtribüne sorgte nach dem Seitenwechsel für die Gänsehautmomente. Obwohl auch da noch gehörig Luft nach oben ist.
Das Comeback
Es gibt Spiele, die mehr als der Auftakt zu einer neuen Saison sind. Es gibt Spiele, die Geschichten schreiben. Am Freitag kehrt der FC Wacker Innsbruck dorthin zurück, wo ihn Generationen von Wackerianerinnen und Wackerianern immer gesehen haben – im Profifußball.
Nach Jahren voller Rückschläge, Zweifel und Neuanfänge, nach drei Aufstiegen in Folge, beginnt für Schwarz-Grün ein neues Kapitel. Mit Schwarz-Weiß Bregenz wartet ein Gegner, der die Geschichte des österreichischen Fußballs selbst entscheidend mitgeschrieben hat. Ein Traditionsverein mit Wurzeln bis ins Jahr 1919, mit Bundesliga-Jahren, Europacupnächten, großen Erfolgen und schmerzhaften Rückschlägen. Zwei Vereine, die wissen, wie schmal der Grat zwischen Glanz und Neubeginn sein kann.
Wenn am Freitag der Anpfiff ertönt, geht es nicht nur um die ersten drei Punkte der Saison. Es geht um die Rückkehr eines großen Traditionsvereins auf die Profibühne. Es geht um all jene, die den Verein auch in den dunkelsten Stunden begleitet haben. Und es geht um die Hoffnung, dass die Geschichte von Schwarz-Grün noch lange nicht zu Ende erzählt ist. Der Tivoli ist bereit. Die Nordtribüne ist bereit. Ganz Schwarz-Grün ist bereit.
Danke, Fabian Lantschner
Trainer kommen und gehen. Manche geraten mit der Zeit in Vergessenheit. Andere hinterlassen Spuren, die weit über Ergebnisse und Tabellen hinausreichen. Fabian Lantschner gehört zu jenen Menschen, die bleiben. Der FC Wacker Innsbruck hat in den vergangenen Jahren sportlich zu sich selbst zurückgefunden. Dass dieser Weg möglich war, ist auch sein Verdienst. Er hat mitgeholfen, dass dieser Verein wieder Hoffnung, Stolz und Identität ausstrahlt.
Lieber Fabian, ich wünsche Dir für deinen weiteren Weg von Herzen alles Gute. Danke für deinen Einsatz, deine Leidenschaft und die vielen kleinen Gesten, die oft mehr bedeuten als große Worte. Du gehst als Co-Trainer und bleibst als Teil einer der schönsten Geschichten, die der FC Wacker Innsbruck in den vergangenen Jahrzehnten geschrieben hat… und so ganz weg bist Du ja zum Glück nicht ;-).
Fotos: Rudolf Tilg
