Difficile lectu

Difficile lectu

15. Oktober 2026·Stefan Weis·3 Min. Lesezeit

Jetzt ist es bald soweit. Mitten in Innsbruck wird es erschallen, im Jahr des 270. Geburtstags des kleinen Amade aus der Getreidegasse. Da werden sich Menschen das Konterfei ihres großen Sohnes anheften, von Jungs aus der Mozartstadt schwärmen und die Hochkultur aus der Heimat von Sound of Music in den Tiroler Bergen verbreiten. Le Nozze di Figaro, Cosi fan tutte, Difficile lectu… Moment, was bitte?

Lectu mihi mars

Salzburg und die Hochkultur, ein kleines Missverständnis. Ja, nach Siegen in der Glanzzeit des Vereins, etwa im Halbfinale des UEFA-Cups gegen Karlsruhe, da wurde von Trainer und Präsident Walzer getanzt. Eleganz, könnte man meinen. Oder man hört auf Heimo Pfeifenberger, der damalige Schwarm aller Teenager und fußballerische Allzweckwaffe, der sich erinnert, dass Rudi Quehenberger noch wenige Monate vorher, vor dem ersten internationalen Spiel gegen Dunajska Streda in Runde eins gemeint hat: „Wir müssen da gewinnen, sonst weiß ich nicht mehr, wie es weitergehen soll.“ Eine Motivation, die gewirkt hat. Finale international, drei Meisterschaften bis 1997, man hat überlebt. Der umgekehrte Weg der Innsbrucker quasi, die um 2000 drei Meisterschaften feierten und ebenso den Weg ins internationale Geschäft benötigt hätten. Hätte der aktuelle Salzburger Sportdirektor Kirchler nicht die Latte getroffen statt ins Tor. Am Tivoli wurde getrauert, im Lehen getanzt. Hochkultur ist es deshalb noch keine, denn lang blieb man nicht hoch oben. Kämpfte an der Salzach, wie schon in den 80ern, ums Überleben. Und überlebte nur, weil sich ein Getränkehersteller als Prisma erwies und das violette Licht in seine Grundfarben Blau und Rot aufspaltete. Da zeigte sich dann die Qualität, die Hochkultur. Im Tivoli prangten Banner, schallten Gesänge, wen denn ein Verein in diesen Farben interessieren würde, während kurz zuvor noch die volle Häme aus Salzburg sich über Wacker ergoss, der nun seine Auswärtsspiele in Liga drei vor der Haustüre habe. Da kann man den damaligen Violetten nur mit Mozart antworten, dem Stück 559 aus dem Köchelverzeichnis, ein Kanon, schön langsam gesungen: Lec-tu-mih-im-ars.

Jonicu

Darauf rumtrampeln? Nicht notwendig, das Leben wurde hart genug für die Jungs aus der Mozartstadt, die einst die erste Geige spielten, um dann im tiefen Orchestergraben zu verschwinden. Statisten auf der eigenen Opernbühne, im großen Haus der Stadt nicht gewünscht, ohne die Möglichkeit, ein eigenes Vorstadt-Theater zu errichten. Dass sie dennoch zurück sind, verdanken sie dem Rückhalt einer unbeugsamen Fantruppe. Und auch das muss man anerkennen. Es brauchte nämlich Jonicu, wie Mozart sagte. Also joni-cujoni-cujoni-cu… Sich abzuspalten vom erwartbaren Erfolg, um die Farben zu retten – auch hier, eine Parallele zu Innsbruck, nur eben wieder andersrum. Denn die Farben waren es, die Wacker Innsbruck retteten, ihn durch die Jahre trugen. Die Farben, der Name, die Geschichte. Es war der feste Glaube der Fankultur, dass nur ein gefestigter Verein überleben wird, der um seine Identität kämpft. Und da hatte man auch kein Problem damit, den geliebten Feind in seinem Anliegen zu unterstützen. Auch das braucht Eier, über alle Differenzen hinweg zur Sache zu stehen. Die Salzburger überlebten, irgendwie, nach Kooperationen beim PSV und Neuanfang im Nonntal. Nach Übersiedelung nach Maxglan und Exil in Schwanenstadt. Man kehrte in den Profisport zurück und stürzte in die Insolvenz. Aber es gibt sie immer noch.

Difficile

Es ist halt schwer, den Erfolg zu bewahren. Keine Hochkultur mehr, auf die man sich so gerne beruft. Mehr Mozarts Briefe als Mozarts Musik. Denn so unglaublich dessen Kompositionen sind, von einer vornehmen Zurückhaltung eines Mendelssohn Bartholdy oder der barocken Steifheit des befreundeten Haydn ist im Geschriebenen nicht so viel zu sehen. „Lauter Sauereien“, wie Amade seinem Vater fröhlich berichtet. Salzburg halt.

Foto: Pixabay.com

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Autor: Stefan Weis
Veröffentlicht: 15. Oktober 2026
Lesezeit: 3 Minuten

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