Nichts und Alles

Nichts und Alles

20. August 2026·Stefan Weis·4 Min. Lesezeit

Wacker Innsbruck ist in der Liga angekommen. Nicht, weil man sie rockt. Das war auch nicht der Plan. Sondern weil man in kürzester Zeit so ziemlich alles miterleben darf, was Fußball so in sich hat. Und wenn nicht selbst, dann zeigt die Konkurrenz, wie verrückt das Spiel mit dem runden Leder sein kann. Etwa der nächste Gegner, der SKN St. Pölten.

Ein bisserl was von allem…

Aber mal von Anfang an, und Blick auf die Tabelle. Drei Runden sind absolviert, viel zu früh, um aussagekräftig zu sein. Und trotzdem zeigt ein Blick auf die vergangenen Spieltage, dass sich so einiges getan hat. 16 Mannschaften im Feld, davon bereits 15 mit Punkteverlust (außer BW Linz). Vierzehn, die zumindest einmal gepunktet haben – mehr noch, es sind mindestens drei Zähler am Konto (außer KSV und SKN). Dreizehn Teams, die bereits einmal verloren haben (Voitsberg und Amstetten ziehen hier mit Linz gleich). Zwölf Vereine mit weniger als sieben erzielten Toren (Linz, Salzburg, Liefering und Vienna sind die Topscorer der Liga). Elf Vereine mit keiner oder nur einer Niederlage (die Wiener Farmteams, Salzburg, Linz und – endlich, eine Mention, Innsbruck). Zehn Teams mit positivem oder ausgeglichenem Torverhältnis. Neun Clubs… Ach, das ließe sich ewig fortsetzen. Schon nach drei Spielen eine ordentliche Bandbreite.

Auch für Wacker. Ein Kantersieg, eine ordentliche Zurechtrückung der Verhältnisse, ein Arbeitssieg. Man weiß, dass es nicht ganz so leicht wird und hat allen Träumern mal Grenzen gesetzt. Und wenn man zur Konkurrenz blickt, weiß man auch, was hätte passieren können. Bei Blau-Weiß etwa, da darf man gleich zwei zentrale Figuren im Krankenstand besuchen, unter anderem die personifizierte Torgefahr Ronivaldo. Vergangene Runde, gegen St. Pölten zog er sich einen Bruch an der Elle zu, ein Ausfall von mehreren Wochen. Bei Kapfenberg, dem Innsbrucker Kontrahenten der vergangenen Woche, gibt es gleich eine Rotation auf der Trainerbank. Nach drei Niederlagen in drei Runden ist Vladimir Petrovics zweiter Auftritt bei den Obersteirern früh in der Saison schon wieder Geschichte, sein Nachfolger Michael Liendl, selbst überrascht, schon bei der Arbeit. Und dann gibt es noch einen Verein, der bislang nicht nur ohne Punkte, sondern auch ohne Tore dasteht.

Alles Nichts

Und das ist, doch etwas überraschend der SKN St. Pölten. Vor der Saison von den Trainern der Liga noch als Mitfavorit um den Titel gehandelt. Im Laola1-Interview nannten zumindest Christian Heinle (Wels), Christian Schaider (Salzburg), Jürgen Kerber (Rapid), Maximilian Uhlig (FAK) die Niederösterreicher als Meisterkandidaten, die damit hinter den fast gleichauf liegenden Vienna und Blau-Weiß an dritter Stelle landeten. Cem Sekerlioglu, der Trainer des SKN, sah das etwas anders. Finanzielle Turbulenzen der letzten Jahre, die Abgänge von Kapitän Stefan Thesker, Nemanja Celic und Dirk Carlson. Dazu der beste Torschütze des letzten Jahres, Marco Hausjell – all das sprach vorab schon nicht für St. Pölten. Für das Team, das in der vergangenen Saison noch bis zur letzten Runde Titelchancen hatte und damit um eine Rückkehr in die höchste Spielklasse kämpfte. Ein Elfmeter für Lustenau im letzten Spiel ließ die Vorarlberger jubeln, die Blau-Gelben verzweifeln.

Wer allerdings für dieses Jahr einen Totalangriff erwartete wurde überrascht. Nicht mehr, sondern weniger Geld für den sportlichen Bereich als in der abgelaufenen Meisterschaft – und schon da spielte man über den Erwartungen. Jetzt kicken, neben punktuellen Verstärkungen, viele junge Ballesterer aus der Akademie und dem eigenen Nachwuchs in Niederösterreich, sechs davon standen im ersten Pflichtspiel im Kader. Die Jugend ist nicht Notnagel, sondern Zukunftsaktie des Vereins – eine Aktie in fremden Händen. Der SKN ist nämlich nicht Eigentümer, die Kaderschmiede ist beim niederösterreichischen Verband angegliedert. Und die Gespräche trotz Hitzesommer auf Eis. Nachtigall, ich hör dir trapsen…

Nichts Alles

Der Übergang in die neue Spielzeit war für St. Pölten ein harter. Drei Spiele, drei Gegentore – nur Voitsberg und Blau-Weiß hat weniger erhalten. Und dennoch steht genau Nichts hinterm Vereinsname. Null Punkte, null Tore. Gegen den FAC ein 0:1, gegen den FAK ein 0:1, und am Wochenende in der 94. Minute ein 0:1 gegen Linz. Zumindest im Cup, zum Auftakt gegen den Sportverein Fleischereimaschinen Schenk Tillmitsch, konnte man sich nach Verlängerung mit 2:1 durchsetzen. Da wird im Spiel gegen Wacker nicht viel erwartet – man kann also nur überraschen mit allem, was man mitnimmt. Und das ist wohl die wirkliche Gefahr.

Bild: KI generiert

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Autor: Stefan Weis
Veröffentlicht: 20. August 2026
Lesezeit: 4 Minuten

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