Sturm-Zeit

Sturm-Zeit

18. September 2026·Stefan Weis·4 Min. Lesezeit

Wenn Felder und Flüsse sich morgens in einen grauen Schleier verhüllen, das Laub in den schönsten Gelb- und Rottönen zu leuchten beginnt und die Abende doch nicht mehr ganz so lau sind, ist sie wieder da: die Sturm-Zeit. Also die des überjungen, spritzigen Gerade-Noch-Nicht-Weins. Für den FC Wacker stellt sich aber auch noch ein anderer Sturm ein. Auch überjung, auch spritzig, auch Gerade-Noch-Nicht – der Nachwuchs des SK Sturms, das steirische Sprungbrett zur Bundesliga. Und mehr.

Schilchersturm

Es gibt ja so Sachen, die sind für eine Region der Inbegriff des Göttlichen. Und werden, drei Schritte darüber hinaus, nicht mehr verstanden, schon gar nicht für gut befunden. Als Papst Pius VI. 1782 auf seiner Reise nach Wien zu Kaiser Joseph II. im Kloster Maria Lankowitz, unweit von Graz gelegen, Station machte, servierte man ihm zum Abendessen natürlich einen Schilcher. Der Italiener, verwöhnt von im sonnigen Klima seiner Heimat gereiften Trauben, notierte nachts in sein Tagebuch: „Sie haben Uns einen rosaroten Essig vorgesetzt, den sie Schilcher nannten.“ Die steirische Weinspezialität muss man erst mal mögen, in ihrer Version als junger, teilweise gegorener Traubenmost kann er was. Und manchmal wird daraus dann doch noch was ganz Akzeptables. Ein bisserl wie bei Sturm II, denen mit dem runden Leder. Wer da alles schon das Trikot der Amateure überzog, darf sich durchaus lesen lassen. Emmanuel Emegha zum Beispiel, der Niederländer im Dienste des FC Chelsea. Romano Schmid, der mit Frosinone die Serie A unsicher macht. Sandi Lovric, der Lienzer, der für Slowenien aufläuft und mit Udine Romano Schmid herausfordert. Dario Maresic, der Kicker von Hajduk Split. Luca Weinhandel, gerade erst 17 und schon der Zweiermannschaft entwachsen und im internationalen Einsatz, wie auch der 19jährige Jacob Hödl. Und dann so Club-Legenden der Schwoazn wie Emanuel Pogatetz, Florian Kainz, Ekrem Dag, Sebastian Prödl, Jakob Jantscher und viele mehr. Mehr als Essig, was das Sturm II in der Geschichte schon aufgeboten hat.

A Nuier

Vino Nuovo sagt man Italien zum Sturm. A Nuier ist es in Südtirol. Die neuen zukünftigen Legenden des SK Sturm kicken jetzt gerade in der zweiten Liga. Und deutlich besser, als es ihr Tabellenplatz verraten mag. Elfter sind sie derzeit, und kein Team der Liga hat so viele Tore erhalten wie sie, insgesamt bereits 16 Stück in nur 6 Spielen, im Schnitt alle 34 Minuten. Wer jetzt aber glaubt, das Torverhältnis wäre dementsprechend katastrophal, der hat noch nicht die Offensivabteilung der Jungspunde kennengelernt. Die lässt sich zwar zugegebenermaßen etwas Länger Zeit, aber alle 41 Minuten und 30 Sekunden lassen sie es beim Gegner klingeln. Und so kann es sein, dass man zum Auftakt vor 1304 Zuschauern auf der Hohen Warte mit einem qualvollen 0:4 untergeht, um eine Woche später vor eigenem Publikum – na, sagen wir vor Familie und Freunden, so ca 100 gesamt – den Floridsdorfer AC mit 4:2 nach Transdanubien verabschiedet. Die Alterskollegen aus Hütteldorf mussten Ende August gleich fünf Tore mit ins Gepäck nehmen, und auch Salzburg bekam drei Stück ab und konnte sich erst durch Tore in der 86. und 96. Minute einen Punkt retten. Unter den Kickern, die alle sechs Spiele schon auf dem grünen Feld gestanden sind, findet sich nicht nur der erfahrene Rückhalt der Mannschaft, der 27-jährige Barne Pernot aus dem Norden von Deutschland, oder der Pöttschinger Niklas Lang, der mit seinen 22 Jahren schon zu den Alten zählt, mit seinen drei Toren aber auch zu den Gefährlichsten. Im Stamm der Mannschaft kicken auch 19-jährige wie Mate Grgic (2 Tore), 18-jährige wie Jonas Petritsch oder der dominikanische Kanadier Elijah Roche. Und der 17-jährige Jonas Peinhart, der sich auch schon über einen Treffer freuen durfte. Sie alle standen jedes Spiel auf dem Platz. Sturm kann aber auch ganz Nuie aufweisen, etwa den jüngsten Kicker der bisherigen Saison: Peter Moser war erst 16 Jahre, 6 Monate und 30 Tage, als er zum Auftakt gegen die Vienna das Schwarz-Weiße Leibchen überstreifte. Und damit um 21 Jahre, 1 Monat und vier Tage jünger als der Floridsdorfer Mirnes Becirovic, der älteste Kicker der aktuellen Saison. Da kommen beinahe väterliche Emotionen ins Spiel…

Ein Glaserl in Ehren…

Wer Sturm kennt, der weiß, es ist Vorsicht angesagt. Nicht nur, weil er quasi täglich seinen Geschmack ändert und man nicht weiß, was einen erwartet. Sondern weil er auch anfangs süßlich verlockend schmecken kann und man genussvoll Zeit mit ihm verbringt, nur um dann beim Aufstehen und Heimgehen von einer Kaltluftwatschen so richtig mitgenommen zu werden und sich bedröppelt kaum noch auf den Beinen zu halten. Alles hängt davon ab, sich nicht zu sehr zum unüberlegten Abend verleiten zu lassen und immer gewarnt zu bleiben – beim Getränk mindestens gleich wie bei den Kickern aus der Steiermark…

Foto: KI generiert

Artikel Info

Autor: Stefan Weis
Veröffentlicht: 18. September 2026
Lesezeit: 4 Minuten

Mehr aus dem tivoli12 Universum

Sturm-Zeit | tivoli12 Magazin