Ja, Moment!, werden Sie sagen. Zumindest, wenn Sie schon ein gewisses Alter erreicht haben und, mediensüchtig und mangels Internetzugang auf Kabel-TV angewiesen, ab Ende der 90er das DSF verfolgt haben. Das heißt doch Takeshi, mit E! Ja – wenn man die japanische Spielshow vom Ende des letzten Jahrhunderts meint. Mit Blick über den Arlberg, nach Bregenz – nein. Da ist Takashi schon richtig. Nur, dass statt der Truppen von General Hayato Tani im Jump-and-Run-Stil nun die Schwarz-Weißen aus Bregenz vor der Tür stehen. Endlich wieder Profifußball, die #LigaZwa zurück am Tivoli, und der FC Wacker Innsbruck mittendrin.
Brigantium oder so…
Aber mal von vorneweg. Bregenz, der Flecken am Ostende des Bodensees, wurde schon von den Kelten so bezeichnet – das da oben, das Herausragende, die Anhöhe, so lautete der Name. Denn eigentlich liegt Bregenz ja am Hügel oben, nicht am Ufer unten. Die Römer, etwas lauffaul, siedelten sich unten im Flachen an, mit einem Kastell, das seine Augen nach Kempten im Allgäu und Augsburg im Schwäbischen richtete. Die Alemannen schauten vorbei, die iroschottischen Mönche Columban und Gallus schütteten im missionarischen Eifer einen heidnischen Bierkessel um (etwas, das man auch heute noch in einem Fußballstadion vermeiden sollte, auch wenn man bei diversen Vorarlberger Biersorten über die Benennung als „Bier“ diskutieren kann). Die Schweizer fielen ein, die Habsburger lösten die Monforter ab – Bregenz war Österreich. Ja, ich weiß, kaum zu glauben. Aber die sind länger schon rot-weiß-rot als das Burgenland, als Salzburg, als Teile des Unterlands. Oder Matrei in Osttirol. Wer sich mit dem Teil der Geschichte auseinandersetzen will, dem darf man beim nächsten Auswärtsspiel die Ausstellung „Weltstadt oder so…“ im vorarlberg museum empfehlen, bevor er im charmant-verkommenen Bodenseestadion Fußballtradition pflegt…
Fußball oder so…
Das Spiel um das runde Leder, das fand mit 1919 seinen Weg in die bald auch hochoffizielle Hauptstadt des Landes vor dem Arlberg, welche damals kaum dreizehntausend Einwohner hatte. Nachdem sich schon in Lustenau mit dem FC (1907) und dem katholischen Turnerbund (später Austria, 1914) sowie in Dornbirn mit den Rothosen (1913) der Fußball im industriellen Umfeld etablieren konnte, folgten im ersten Jahr des demokratischen Österreich der FC Bludenz, Jahn Lustenau – und der FC aus Bregenz. Mit Ferdinand Marte war man im Gründungsvorstand des Vorarlberger Fußballverbands vertreten, in politisch für alle offensichtlich gefärbter Variante am 5. April 1942 als Deutscher Turnerbund Bregenz im Spiel gegen den FC Lustenau das letzte Fußballspiel Vorarlbergs vor Kriegsende. Kein Wunder, dass man nach 1945 von der französischen Besatzungsbehörde unter dem alten Namen nicht zugelassen wurde und sich einen neuen suchen musste – Schwarz-Weiß Bregenz war geboren, mit einem Vereinsemblem von Hans Korb und einer Kampfmannschaft in der 1. Klasse Vorarlbergs. Nach Zwischenschritt in der Arlbergliga war man 1954 der erste Verein des Ländles in der Staatsliga, der höchsten Spielklasse Österreichs. Gut, nur für ein kurzes Gastspiel, denn nach 2 Siegen in 26 Spielen und 93 Gegentreffern bei 13 Toren stieg man gleich im ersten Jahr wieder ab. Aber immerhin, man hatte den Tirolern den Weg gewiesen, den diese noch nicht gegangen waren. Das tat man dann auch quasi parallel in Namenshinsicht. Denn Schwarz-Weiß war schon 1970 Geschichte, man nannte sich SC Olymp, kurz darauf nach Fusion mit Rätia Bludenz FC Vorarlberg, im Jahr darauf mit Sponsornamen ergänzt. Ab 1979 war man die IG Bregenz/Dornbirn, bald darauf Casino. Ma c’è casino. Ein pures Chaos im Namen – oder eigentlich Vorreiter, denn in Innsbruck tat man es den Vorarlbergern in vielen Belangen gleich.
Investor oder so…
Eines hatte Innsbruck den Bregenzern voraus – den Konkurs, den Lizenzentzug. Der kam in Vorarlberg erst 2005. Die Vereinsrechtler zeigen hier auf den offiziellen Bescheid – Schwarz-Weiß von 1919, das gibt es nicht mehr. Also so, wie es in Innsbruck, in Salzburg, und gerade erst auch in Brescia einen Bruch in der Geschichte gibt. Rechtlich, aber nicht in der Praxis, in der Emotion, im übergreifenden Verständnis. Als Tiroler weiß man: ein Bruch wird gegipst, und nächste Saison ist man wieder auf der Piste zu finden. Und zwischenzeitlich beim Apres-Ski. Genau so lief es auch am Ufer des Bodensees. Der SC in Blau-Weiß diente als Sammelbecken des Nachwuchs, zur 90-Jahr-Feier fand man wieder zum alten Namen zurück. Und nach sportlich nicht ganz einfachen Jahren gibt es nun auch eine neue Ausrichtung. Strategische Partnerschaft heißt das, Kooperation mit dem japanischen Zweitligisten Tochigi City und deren Sporting Director Takashi Okuri. Mit A. Der neue Fürst am Bodensee. Damit Übersee auch hier, nicht nur am Tivoli, nur halt in die andere Richtung. Mit der Firma Nippon Rika, im selben Jahr gegründet wie Innsbrucks kaiserlich-königliche Vereinsbestätigung erfolgte, ist ein Konzern am Bodensee aufgeschlagen, der mit Toshiba, Hitachi, Mitsubishi und Fuji zusammenarbeitet – und der einem Fußballverein vorsteht, der als Werksmannschaft von Hitachi vor fast 80 Jahren gegründet wurde, um doch erst seit diesem Jahr in Japans J2 League Fuß zu fassen. Ein Start-Up, sozusagen, halt mit einem langen Anlauf. Das Investment in Österreich folgt einem Ziel, das die Platzierung von japanischen und internationalen Talenten im Auge hat. Austesten und Spielbedingungen, Aufbau, Verkauf, um den finanziellen Einsatz rezufinanzieren.
Vorarlberg oder so…
Und so findet sich nicht nur der schon aus Innsbrucker Zeiten bekannte Atsushi Zaizen als japanische Vorhut in Bregenz, sondern auch Torhüter Peter Kwame Aizawa, Yusei Shima, Genta Omotehara und Keita Saito. Und dazu Spieler aus Sierra Leone, Brasilien, Kanada/Jamaica, Schweiz, Deutschland/Albanien und England/Guyana, ergänzt mit sechs Österreichern. „Es kommen 500 Zuschauer, wenn Vorarlberger kicken“, tönt es dazu vom Seeufer, „aber halt mehr, wenn Erfolg da ist – egal, von wo die Spieler sind.“ Ganz so unterschiedlich ist dann Vorarlberg doch nicht von Tirol. Ein spannender Auftakt: zwei Neuausrichtungen, zwei Investitionsprojekte, zwei Traditionsvereine. Und endlich wieder Profifußball für Innsbruck.
Bild: KI generiert
