Tiroler Tageszeitung

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Alex Gruber

28. Oktober 2026

Heißer Abend um die Nummer eins

Im prestigeträchtigen ÖFB-Cup-Achtelfinal-Derby zwischen Zweitligist FC Wacker Innsbruck und Bundesligist WSG Tirol ist heute (18 Uhr/live auf ORF 1) im vollen Tivoli alles angerichtet für ein großes Fußballfest.

Nur zwölf Tage nach dem ausverkauften Westderby gegen Austria Salzburg steppt im Tivoli bei einem weiteren Wacker-Heimspiel wieder der Bär. Bis zur Mittagsstunde waren gestern 14.500 Karten vergriffen, das Restkontingent ist heute (ab 16 Uhr) an den Stadionkassen erhältlich. 

Klare Rollenverteilung 

Geändert hat sich aus Sicht der Schwarzgrünen die Ausgangslage, denn im Zweitliga-Alltag gegen Austria Salzburg war der Druck größer, heute läuft der FCW in der Rolle des Außenseiters auf. „Diese Rolle ist gut. Wir wissen aus der Vergangenheit selbst, dass es nicht immer leicht ist, seiner Favoritenrolle gerecht zu werden. Die WSG muss als Bundesligist gewinnen, das ist klar“, lässt Wacker-Cheftrainer Sebastian Siller keine Zweifel an den Größenordnungen aufkommen. Die Schwarzgrünen wollen in der Offensive mit Speed punkten und Siller weiß aus eigener Erfahrung, was man als Underdog braucht: „Wir werden neben einer sehr guten Leistung hinten ein Quäntchen Glück und vorne die nötige Effizienz benötigen.“ Die Fans können sicher auch Kräfte freisetzen, wobei Siller betont: „Das volle Stadion kann auch für die WSG eine Extra-Motivation sein.“ 

Irgendein schwarzgrüner Sager im Vorfeld des Tiroler Cupschlagers hat offenbar WSG-Cheftrainer Philipp Semlic gereizt: „Die großen Töne spucken andere. Wir bleiben demütig und bodenständig“, führt der 43-jährige Steirer dazu kryptisch aus. Die Favoritenrolle wolle man dennoch annehmen: „Es muss unser Anspruch sein, dieser Rolle gerecht zu werden. Wir beschäftigen uns weniger mit dem Gegner, sondern müssen vielmehr unsere PS auf den Platz bringen. Dann sollten wir als Sieger das Feld verlassen.“ 

Der WSG-Kader (9 Millionen Euro) ist laut transfermarkt.at doppelt so viel wert wie jener des FC Wacker (4,5). Der bosnische WSG-Teamdebütant Salko Hamzic wird ebenso wie Wackers neues ecuadorianisches Abwehrjuwel Virgil Olyaya, der bislang nur in der Zweier zum Einsatz kam, mit einer Million Euro am höchsten taxiert. Im Rampenlicht werden heute andere Spieler stehen, auch viele Tiroler, die sich wie beispielsweise die Jahrgangskollegen Florian Kopp und Matthäus Taferner (beide 2001) seit gemeinsamen Tagen in der Tiroler Talenteschmiede kennen. Die größere Erfahrung ist dabei klarerweise auf Seiten der Wattener zuhause. 

„Ich bin sehr entspannt, unser Team ist gut vorbereitet. Es ist ein Bonusspiel für uns, voller Vorfreude auf ein volles Haus. Wenn binnen knapp 14 Tagen über 30.000 Zuschauer zu zwei Heimspielen kommen, sieht man, dass der FC Wacker zieht“, sagt FCW-Präsident Hannes Rauch, der heute im VIP-Club allerlei Prominenz, u. a. den ÖFB-Aufsichtsratsvorsitzenden Josef Pröll, begrüßen wird. Dass die Gemengelage eine andere als zuletzt im Westderby sei, hat auch Rauch zur Kenntnis genommen. Die Debatten im Fußball-Land drehen sich in erster Linie um die sportliche Frage, wer sich im Cup-Achtelfinale zumindest für einen Abend als Tiroler Nummer eins etablieren kann. 

Nur einer hat Erinnerungen 

Mit dem Kärntner WSG-Dauerbrenner David Gugganig war nur ein einziger Spieler bereits beim letzten Profi-Duell in der 2. Liga am 4. Mai 2018 bei der 0:2-Niederlage gegen den späteren Aufsteiger Wacker am Tivoli dabei. Seitdem ist, wie man in Tirol sagt, viel Wasser den Inn hinuntergeflossen und hat sich bei beiden Vereinen viel getan. Die WSG hält seit 2019 mit bescheidenen Mitteln Tirols Fahne in der Bundesliga hoch, der FC Wacker schickt sich mithilfe amerikanischer Investoren an, in nicht allzu langer Zeit auch wieder ganz oben zu landen. Als gemeinsames Motto sollte gelten: Man muss die Feste feiern, wie sie fallen ...

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